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Das Private Gymnasium Marienstatt ist Mitglied in der Vereinigung katholischer Schulen in Ordenstradition (ODIV – Ordensdirektoren-vereinigung).


Religionspädagogischer Tag: Marienstatter Reli-Lehrer und der „Theotop“

Frösche, Lurche und Konsorten fühlen sich unter ihren Artgenossen und unter perfekten Bedingungen in ihrem Biotop wohl. Religionslehrer, Pfarrer und Theologen befinden sich gerne in ihrem Theotop, in dem ihre religiöse Sprache verstanden und wo ihre Bilder und Symbole richtig gedeutet werden ebenso wohl. Das einzige Problem: Außerhalb des Theotops erleben sie oft Sprachlosigkeit, fehlende Deutungsgewalt über ihre Sprache und kommen mit ihre Botschaft nicht beim Gegenüber an. – Der Religionspädagogische Tag des Bistums Limburg, der alljährlich in der Kreuzwoche der Diözese stattfindet, nahm #Sprache in den Mittelpunkt. Die Marienstatter Religionslehrerinnen und Religionslehrer Birgitta Nolte, Alexandra Cäsar, P. Benedikt Michels und Christian Pulfrich begaben sich dabei in die Untiefen ihres Theotops.

 

Professor Georg Langenhorst stellte die Suche nach einer gelungenen religiösen Sprache in den Mittelpunkt seines Eingangsvortags. „Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die euch erfüllt“, stellte der Augburger Religionsdidaktiker ein Wort aus dem Ersten Petrusbrief an den Anfang, bevor er sich näher mit der „Sprachschule“ von Silja Walter auseinandersetzte. Die Schweizer Benediktinernonne sei eine gedanklichen „Sechsgang“ gegangen: „Ich kann das Absolute nicht beschreiben“, ist die Annahme, dass das Wissen endlich ist. Darauf folge ein Trotz, dass man sich nämlich immer wieder bemühe, einen Ausdruck für Gott zu finden. Langenhorst geht auch bei der Warnung Walters mit: „Nicht Begriffe, nein, vor allem nicht alte Begriffe“ dürften verwandt werden. Man solle sich vielmehr um das Finden von neuen Bildern und Symbolen bemühen. Die Grenzen bestünden aber in der Unzulänglichkeit, über Gott zu reden. Nichtsdestotrotz, so Langenhorst, scheine etwas Positives durch: „Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man dichten oder erzählen“, würde dem Leben der Benediktinerin entsprechen und die Ludwig-Wittgenstein-Aussage, wonach man schweigen müsse über Dinge, die man nicht aussprechen könne, positivieren. „Und da sind Sie als Religionslehrer gefragt“.

 

Der Augsburger Professor stellte fest, dass Gottesbeschreibungen in einer anderen Grammatik verhaftet seien als unsere Sprache in der Lage sei, auszudrücken: „Sprachliche Bilder können sich Gott nur annähern“. Daraus erwachse gelegentlich eine Sprachlosigkeit, der er aber vehement entgegenspricht. „Die Frage nach Gott ist die Frage nach einer tiefen Sehnsucht, der wir nachgehen müssen“. Ein Zitat Felicitas Hoppes nahm er als Vehikel: „Schließlich kommt es nicht darauf an, dass wir Gott nicht aus den Augen verlieren, sondern darauf, dass Gott uns nicht aus den Augen verliert“. Diese Umkehrung versteht der Didaktiker als „Dynamik von ‚Sehen‘ und ‚Gesehen werden‘“. Gottes Barmherzigkeit bestehe darin, dass er den Menschen ansehe – daher haben wir Christen unser Ansehen. „Gott ist die Macht des Zuspruchs“. Auch wenn sich Theologen gerne in ihrem Theotrop befänden, der von der „Firma Gott und Sohn“ zur Verfügung gestellt worden sei. So sehe er vor allem in den Religionslehrern eine Möglichkeit, aus diesem Schutzgebiet herauszubrechen. „Wer mich sieht, sieht den, der mich gesandt hat“, macht der Augsburger abschließend mit einem Jesus-Wort Mut.

 

In einer Podiumsdiskussion zwischen Professor Langenhorst mit Alia Pagin (Medienpädagogin, Offenbach), Thorsten Klug (Leiter des Amts für katholische Religionspädagogik, Wiesbaden), Rainer Oberthür (Dozent für Religionspädagogik und Autor, Aachen) wurde der „rote Faden“ des Vortrags beim Austausch mit den Zuhörern immer wieder aufgenommen. „Es bringt nichts, wenn wir probieren, in Jugendsprache die coolen Kids von heute anzusprechen“, ist sich Rainer Oberthür sicher. Ebenso müsse darauf geachtet werden, dass die Kommunikationspartner durch eine „überfrachtete theologische Sprache“ nicht überfordert würden. Die Medienpädagogin Alia Pagin macht deutlich: „Die besten Lehrer meiner Schulzeit waren die, an denen man sich reiben konnte“. Dabei entstehe Reibungswärme und es sei anstrengend, aber das ist der Job eines Religionslehrers. Thorsten Klug ging besonders auf die neue Bibelübersetzung ein, die „eine echte Chance“ darstelle – wenn auch er sich dagegen verwehrte, allzu jugendliche Übersetzungen wie die „Volksbibel“ im Unterricht zu nutzen.

Die Religionslehrer des Bistums Limburg konnten sich am Nachmittag in verschiedene Workshops einwählen: Birgitta Nolte vertiefte in „Glaubwürdig über Religion und Glaube sprechen - Sprachsensibler Religionsunterricht an konkreten Beispielen“ die Ansätze, die Rainer Oberthür schon in der Podiumsdiskussion vorgezeichnet hat. Alexandra Cäsar, P. Benedikt Michels und Christian Pulfrich nahmen am Workshop „Die Sprache der Schulhöfe und des Internets - Medienpädagogische Hilfestellungen im Umgang mit Hate Speech“ von Alia Pagin teil, die den Blick weg von religionspädagogischen Ansichten hin zum allgemeinen medienpädagogischen Ansatz weitete. „Hass Sprache“ gab es schon weit vor der Zeit von facebook und Co., machte die Dozentin deutlich und auch „Fake News“ sind nicht erst durch Donald Trump erfunden worden. Die Qualität und Menge dieser Medienphänomene sei aber in den vergangenen Jahren explosionsartig gestiegen. Pagin zeigte den Religionslehrern auf, wie solche „Fake News“ entstehen und vor allem, wie sie von Populisten genutzt werden. „Gehen Sie in die Schulen und machen Sie dies Ihren Schülern deutlich: Wenn die Schüler sich erst einmal in der Gedankenwelt der Populisten befinden, wird es schwierig, dagegen zu sprechen“. Früher hätte man die sogenannten Stammtischparolen leicht entkräften können: „Heute sind die Radikalen aber Akademiker, die mit ihrer Sprache nicht plump daherkommen, sondern rhetorisch geschickt ihre Weltsicht darstellen“.

 

Der Religionslehrertag endete mit einer Eucharistiefeier im Dom, bei dem rund 60 neue Religionslehrer ihre kirchliche Lehrerlaubnis, die Missio canonica, erhielten.

 

Text und Bild: Christian Pulfrich




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