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Sozialfonds

Der Förderverein unterstützt alljährlich Schüler und Schülerinnen, deren Eltern Schwierigkeiten bei der Finanzierung außerunterrichtlicher Aktivitäten, z.B. Schulfahrten, Wandertage etc., haben.

Der Ansprechpartner für diesen Fonds ist Herr Pulfrich, den sie gerne mit marienstatt[a]pulfrich.com kontaktieren können.

Alle Anfragen werden streng vertraulich behandelt.




Das Private Gymnasium Marienstatt ist Mitglied in der Vereinigung katholischer Schulen in Ordenstradition (ODIV – Ordensdirektoren-vereinigung).


„Marienstatt prägt“ – im Positiven wie im Negativen

„Gymnasium im Dialog“: Marienstatt – eine Schule fürs Leben?
Podiumsgespräch mit ehemaligen Marienstatter Schülern




Im Rahmen der Festwoche veranstaltete der Förderverein des Gymnasiums Marienstatt einen besonderen Abend der Reihe „Gymnasium im Dialog“. In einer Podiumsdiskussion tauschten sich ehemalige Marienstatter Schüler zu der Frage „Marienstatt – eine Schule fürs Leben?“ aus.

 

Der Abend wurde von Christian Schmidt (Klavier, Abitur 1996), Clemens Seibert (Gitarre, Abitur 2005) und Raphael Schaad (Klavier, Abitur 2006) musikalisch eingeleitet, bevor Dr. Frank Grieß die Podiumsteilnehmer Prof. Dr. Josef Schuster SJ (Theologe, St. Georgen, Abitur 1967), Diana Steegers (angehende Lehrerin für Deutsch und Sozialwissenschaften, Hachenburg, Abitur 2001), Susanne Szczesny-Oßing (Unternehmerin, Herschbach, Abitur 1984), Ute Maria Lerner (Schauspielerin Köln, Abitur 1982), Erwin Wortelkamp (Bildhauer Hasselbach, Internatsschüler 1950 bis 1956), Arno Benner (Lehrer, Mittelhof, Abitur 1969), Hannes Heer (Historiker, Hamburg, Internatsschüler 1951 bis 1957) und Hendrik Hering (Wirtschaftsminister Rheinland-Pfalz, Abitur 1983) vorstellte. Abt Andreas Range übernahm die Moderation.

 

Zuerst wurde auf dem Podium in kurzen Stellungnahmen die Frage beantworte, ob Marienstatt eine Schule fürs Leben sei. Erwin Wortelkamp begann die Runde und sprach davon, dass Marienstatt alle folgenden Lebensentscheidungen präge. Er betonte dabei vor allem die „Wechselbeziehung“ zwischen Schule und Abtei. Diana Steegers bejahte die Frage ebenfalls; sie habe sich immer verstanden gefühlt und komme auch jetzt noch gerne nach Marienstatt – sie absolvierte zum Beispiel vor einigen Monaten ein Praktikum am Gymnasium. Wichtig war ihr, dass die Schule sich in neun Jahren sehr zum Positiven verändert habe. Hannes Heer charakterisierte Marienstatt mit den Ausdrücken „Verzauberung und Beklemmung“; „Verzauberung“ für das Gefühl für Schönheit, das ihm an seiner ehemaligen Schule in vielerlei Hinsicht vermittelt worden sei. Ein Gefühl der „Beklemmung“ überkomme ihn jedoch beim Gedanken an „willkürlich ausgeübte Macht“, „Ungerechtigkeit“ und „Doppelmoral“. Susanne Szczesny-Oßing habe Marienstatt schnell schätzen gelernt, beschrieb aber auch, dass sie durchaus „Willkür und Gewalt“ gesehen, selbst jedoch nie erfahren habe. Prof. Dr. Josef Schuster legte den Schwerpunkt seiner Stellungnahme auf die hohe Qualität des Unterrichtes. Er sei dankbar, dass es den Ort Marienstatt als solchen gebe und habe außerdem „kritisches Denken gelernt“ und von der Schule profitiert. Hendrik Hering, der erst in der Oberstufe Schüler am Gymnasium der Zisterzienserabtei war, schilderte seine kritische Auseinandersetzung mit dem Glauben, die in Marienstatt stark gefördert worden sei und die aus dem Glauben wiederum gewonnen Erkenntnisse für sein Leben – nicht zuletzt die Entscheidung für die Politik. Arno Benner, der sich einige Wochen zuvor an die Rheinzeitung gewandt und von seinen Erfahrungen mit Missbrauch im Internat berichtet hatte, erläuterte auf dem Podium, dass in Marienstatt damals viele weggesehen haben und daher alle eine Mitschuld tragen. Er sprach von „Ideologisierung“ des an sich guten Lehrstoffes. Zwar sehe er den Ort seiner alten Schule noch immer als eine Stätte, die Ruhe und Friedlichkeit ausstrahle, doch habe er ihn aufgrund seiner negativen Erlebnisse bis jetzt stark gemieden. Zum Abschluss der ersten Runde bezeichnete Ute Maria Lerner Marienstatt als „Probebühne fürs Leben“ und schloss ihre Ausführungen mit dem Satz „Ich habe es mir auch schön gemacht“.

 

Nach diesen vielen Eindrücken traten die Musiker zum zweiten Mal auf und gaben allen Anwesenden die Gelegenheit für Gespräche über das soeben Gehörte. Nach dieser sehr auflockernden instrumentalen Einlage vertieften alle Podiumsteilnehmer die Impulse der ersten Runde. Erwin Wortelkamp machte deutlich auf die damals in Marienstatt herrschenden Kontraste aufmerksam und vertrat außerdem die Meinung, dass viele der Patres mit Kriegserfahrung keine Orientierung haben. Auch Arno Benner sprach von einem „Kontrastprinzip“, das immer wieder neu angefacht worden sei. Er sehe es als Aufgabe der Kirche Werte glaubhaft zu vermitteln und nannte ein „faschistoides System“, wie es in Marienstatt geherrscht habe, „unchristlich“, da es ein „Angriff gegen die menschliche Würde“ dargestellt habe. Hannes Heer sorgte mit seinem Vergleich Marienstatts mit einem totalitären System und der Bitte, von der Nennung Einzelner wegzukommen und stattdessen die Vorfälle in der Kirche als ein „geschlossenes System“ zu sehen für Diskussionen. Prof. Dr. Josef Schuster warnte daraufhin davor, der Schule Totalitarismus zu unterstellen und forderte eine Differenzierung, Susanne Szczesny-Oßing rief dazu auf, sich für die Zukunft zu öffnen. Im Zusammenhang damit bezeichnete Ute Maria Lerner die Aufklärung der Missbrauchsfälle als einen „Reinigungsprozess“ und eine Chance für Marienstatt und die katholische Kirche. Hendrik Hering lobte daraufhin, wie zuvor Hannes Heer, dass Abt Andreas sich an die Öffentlichkeit gewandt hat und offensiv mit dem Thema umgehe. Weiterhin rief er alle auf bei solchen Fällen nicht wegzuschauen und betonte gleichzeitig, dass Marienstatt auf einem guten Weg sei. Prof. Dr. Josef Schuster bezeichnete den Gang an die Öffentlichkeit als einzigen Weg zur „Wundheilung“. Diana Steegers schilderte, dass sie während der Schulzeit schwanger gewesen und entgegen aller Erwartungen mit Verständnis und Unterstützung behandelt worden sei.

 

Nach einem Gitarrensolo von Clemens Seibert bestand für das Publikum die Möglichkeit, Fragen zu stellen und sich zum Gesagten zu äußern. Es entstand so eine angeregte Diskussion zwischen Zuhörern und Podiumsteilnehmern. Herr Dr. Christian (Abitur 1967) beschrieb seine Zeit in Marienstatt in den 70ern als „Umbruchphase“, nannte beispielsweise die reformierte Oberstufe. Dass die Schule sich damals nach außen hin geöffnet habe, habe ihr bis heute gut getan. Er stellte die Frage in den Raum, wie man jungen Menschen Werte vermitteln könne, ohne in ein Lager abzudriften. Arno Benner sprach sich als Antwort positiv für die Einführung der Ganztagsschule im nächsten Schuljahr aus. Ein weiterer Ehemaliger (Abitur 1966) widersprach den Schilderungen Arno Benners und verlangte eine Differenzierung anstelle einer pauschalen Darstellung eines „faschistoiden Systems“. Ebenfalls ein ehemaliger Internatsschüler rief die Opfer dazu auf, einen Schlussstrich zu ziehen und forderte von den Tätern, Verantwortung zu übernehmen. Die „permanente Kontrolle“ nannte ein anderer ehemaliger Marienstatter Schüler als das Schlimme. Arno Benner brachte die Bezeichnung „subjektive Authentizität“ ins Spiel und forderte, dass die Opfer ernst genommen werden. Schulleiter Klemens Schlimm sagte, dass mit der Formulierung „Schule fürs Leben“ nicht nur der Vergangenheits-, sondern auch der Gegenwarts- und Zukunftsaspekt gemeint sei. Er sprach sich deutlich dafür aus, Lehren aus der Vergangenheit zu ziehen und diese aufzuarbeiten. In der Gegenwart habe das Gymnasium Einrichtungen zur Prävention solcher Fälle geschaffen. Die Schule sei auf dem Weg zu einem „offenen System“.

 

Raphael Schaad erfreute das Publikum nun mit einem äußerst humorvollen Medley der Lieder „Ein bisschen Frieden“, „Satellite“ und der deutschen Nationalhymne. In der Abschlussrunde regte Erwin Wortelkamp dazu an, über die Möglichkeiten der Erziehung nachzudenken, die ein Ort wie Marienstatt bietet. Ute Maria Lerner sprach von einem „Bewusstseinswandel“ in Marienstatt, Susanne Szczesny-Oßing von der Aufarbeitung der Vergangenheit als Chance für alle Beteiligten. Diana Steegers schloss mit dem Satz „Der Weg ist das Ziel und Marienstatt ist auf dem richtigen Weg“. Prof. Dr. Josef Schuster wünschte sich ein weiterhin langes Bestehen des Gymnasium und seiner Symbiose mit der Abtei. Hendrik Hering lobte die Form der Diskussion und charakterisierte Marienstatt weiterhin als einen Ort der Wertevermittlung, an dem keine Gleichgültigkeit herrsche. Hannes Heer war zuversichtlich, dass Aufklärung in Marienstatt gelinge, auch Arno Benner sprach mit dem biblischen Zitat „Alles hat seine Zeit“ seine Hoffnung darauf aus.

 

Der Abend klang musikalisch und bei „Brot und Wein“ in der Aula aus.

 

Katja Grimm

 

 
















Stimmen aus der Podiumsdiskussion im O-Ton:














Hr. Dr. Christian:

„Ich habe in meiner Zeit eine Umbruchphase erlebt. 1967, als ich hier angefangen habe, hat man den Begriff Arno Benner immer gehört, aber man wusste: Mit Arno Benner war immer ein rotes Tuch verbunden. Ich kann diese Zeit, die sie geschildert haben, noch genau nachvollziehen, genauso kann ich aber auch in die Zeit einfügen, weil wir diesen Umbruch erlebt haben - 1973 kam die reformierte Oberstufe. Die Dinge, die 1967 in den Abiturreden angeklungen waren, hatten eben schon einen gewissen Erfolg gezeigt und die Schule hat sich nach außen hin geöffnet. Ich kann nur sagen, dass diese Öffnung der Schule gut getan hat. Es ist eine Verpflichtung in der heutigen Zeit Werte zu vermitteln, ob man die aus christlichen oder anderen humanistischen Bildungsgrundlagen heraus vermittelt. Es ist die Frage, wie ich den Schülern hier Werte vermitteln kann, ohne dass ich in irgendein Lager abdrifte. Wie kann ich als Mensch nachher gestärkt aus dieser Schule hinausgehen? Und ich denke, das wird auch der Lehrkörper jeden Tag entsprechend versuchen."

 

Arno Benner:

„Auf die Frage, was man tun kann: Ich habe aus der Zeitung entnommen, dass Marienstatt auf dem Weg zur Ganztagsschule ist. Das ist meiner Meinung nach der richtige Weg, falls die Ganztagsschule nicht nur eine Verwahrschule ist. Aber, damit das such die anderen Zuhörer verstehen: Ich bin nicht nur der böse Bube."

 

Willi Normann, Abitur 1966:

„Ich habe auf den Artikel von Arno Benner hin einen Leserbrief von zwei Seiten geschrieben, der leider zu einem Artikel geworden ist, in dem natürlich die ganzen Argumentationsstrukturen fehlen. Ich bin nach Marienstatt gekommen, weil ich mich in Limburg gegen einen gewalttätigen Lehrer mit dem Fuß gewehrt habe und daraufhin von der Schule geflogen bin. Ich habe auch in Marienstatt die ein oder andere körperliche Gewalt erfahren, dass habe ich auch dort geschrieben, auch von bestimmten Leuten - von den zwei bekannten und von zwei anderen, aber immer in einem begründeten Zusammenhang. So kann man damit umgehen, es gibt sensiblere Leute und abgehärtet zu sein, ist nicht immer ein Vorteil. Ich habe geschrieben, dass ich Marienstatt anders erfahren habe, und zwar bei vielen Lehrern und Patres. Ich habe mit den noch Lebenden telefonisch Rücksprache gehalten. So, in diesem Extrem, haben die Marienstatt nicht erlebt. Wir haben Marienstatt im Gegenteil erlebt, mit Pater Karl, mit Pater Johannes usw. - ich könnte jetzt viele aufzählen, die ein offenes Ort hatten, die uns sehr geholfen haben, die prima mit uns umgegangen sind usw. Ich kann nicht beurteilen, Arno Benner, ob sie weggesehen haben, das kann ich nicht sagen. Aber ich selbst habe hingesehen und habe viele Dinge nicht gesehen, die dort geschrieben wurden. Deswegen spreche ich von einer gewissen literarischen Fiktion. Zu einer Aufarbeitung gehört nach meiner Ansicht Fairness, gegenüber den Leuten, die dort nicht pauschal mit kritisiert werden dürfen. Für mich ist ein System ein Erziehungsprinzip, was hier Konsens gewesen wäre, das war es bestimmt nicht. Mir wurde von Ihrer Lebensgefährtin vorgeworfen ich hätte Täter zu Opfern gemacht, das will ich nicht. Die, von denen ich weiß, dass sie etwas getan haben, würde ich nie zu diesen Leuten zählen, niemals. Aber ich denke es ist ein Gebot der Fairness, anständige und zum Teil überragende Lehrer fair zu behandeln und nicht über einen Kamm zu scheren und zu pauschalisieren.“

 

Arno Benner:

„Mir literarische Fiktionalität zu unterstellen halte ich für eine Unverschämtheit. Dass wir hier von einem System gesprochen haben, da muss ich dir einfach unterstellen, dass du bis heute nicht verstanden hast, worum es geht. Es geht nicht darum, einzelne Personen hier an den Pranger zu stellen, sie sind aber Beispiele für das System. Ich wollte eigentlich und will auch nach wie vor diesen Abend nicht benutzen, um weitere Namen und Beispiele zu nennen, das fände ich nicht angemessen. Aber wenn du die Briefe gelesen hättest, die ich gelesen habe und dir 74-jährige Männer schreiben und du siehst an der Schrift, mit welchem Zittern, mit welcher Erschütterung sie von diesen Dingen berichten und wenn du weißt, dass Leute neben dir im Bett gelegen oder gestanden haben – und das hättest du eigentlich auch sehen müssen – die verprügelt wurden bis aufs Blut, dann muss ich mich wirklich fragen, wo du hingeguckt hast."

 

Willi Normann, Abitur 1966:

„Ich wehre mich ganz entschieden, die von mir genannten Personen als faschistoide Menschen zu bezeichnen, die dieses System getragen haben. Ich habe es im Gegenteil anders erfahren. Mir geht es darum, dass man differenziert. Ich leide darunter, dass Menschen, die ich äußerst positiv erfahren habe und bei denen es viele Ehemalige genauso sehen, in ein so schlechtes Licht gerückt werden, so pauschal diskriminiert werden. Ich bitte darum, alle Verbrechen aufzuarbeiten, aber nicht pauschal alles so darzustellen."

 

Ehemaliger Internatsschüler:

„Ich war nicht nur in Marienstatt, sondern an vier weiteren Schulen und habe überall erfahren, dass nicht die körperliche Züchtigung, sondern der psychische Druck, der überall vorhanden war, mir viel mehr zu schaffen gemacht hat. Wir haben in der Volksschule schon erfahren, dass ehemalige Offiziere damit beschäftigt waren, Klassen mit 50 oder 60 Schülern irgendwie zusammenzuhalten und entsprechend zu züchtigen. Als ich hier nach Marienstatt kam, war die erste Zeit hier eine Erleichterung gegenüber dem, was ich bisher erlebt hatte. Und ich muss sagen, wir haben einiges erfahren und man hat sich auch damit beschäftigt. Doch es liegt an der persönlichen Einstellung, wie man die Dinge verkraftet. Ich habe sehr viel Verständnis für die Schüler, die sagen "Nie mehr möchte ich etwas mit Marienstatt zu tun haben." Andere sagen, dass sie sich damit beschäftigen und auseinandersetzen und versuchen zu ergründen, warum das so war. Ich muss ganz klar sagen, dass der Zeitgeist in den 1950er Jahren stark von dem geprägt war, was hier kritisiert wurde. Wir sind nicht nur damit konfrontiert worden, sondern waren gezwungen, damit fertig zu werden. Es sind so viele Bausteine, die noch dazu kommen, nicht zuletzt die sexuelle Gewalt, dass wir eigentlich daran verzweifeln müssten. Wir müssen uns mit den Dingen auseinandersetzen und deshalb finde ich es gut, dass hier so offen darüber geredet wird. Aber wir dürfen nicht ewig hadern und leiden und denken, wir müssen leiden und Schuldzuweisungen zu suchen, sondern wir müssen einen Schlussstrich ziehen. Und diejenigen, die die Verantwortung dafür tragen, müssen sich dazu bekennen, soweit sie heute noch in der Lage sind, das machen zu können."

 

Ehemaliger:

„Herr Benner, als ich Ihren Artikel gelesen habe, kam über mich abwechseln Ratlosigkeit, Fassungslosigkeit und Wut. Ratlosigkeit, weil ich mich gefragt habe: "War das so schlimm? Warum hast du nichts mitbekommen?" Wut, weil ich dachte, das ist vielleicht ein persönlicher Rachezug von einem Einzelnen. Das war für mich der Anlass, mehr darüber nachzudenken, was ich hier überhaupt erlebt habe, wie ich es erlebt habe. Natürlich gab es Patres - die Namen wurden genannt -, denen die Hand locker saß und Ohrfeigen waren an der Tagesordnung. Es ist sicher auch nicht dadurch zu rechtfertigen, dass das damals die Erziehung war. Es ist nicht die Frage, ob einer von zehn oder einer von 20 oder einer von 100 – und wenn Sie der einzige waren, der das erlebt hat, ist das schlimm genug und muss aufgearbeitet werden. Aber ich habe wirklich versucht, mich zu erinnern und es liegt oft in der Natur des Menschen, sich mehr auf die positiven als die negativen Dinge zu erinnern. Es wurde geschlagen, aber ich habe auch eine Menge andere Dinge erlebt. Das Schlimme war die permanente Kontrolle. Ich habe aber auch eine ungeheure Solidarität erlebt, durch eine tolle Klassengemeinschaft, ich habe Hilfsbereitschaft erlebt, sowohl von Mitschülern als auch von Lehrern, von weltlichen Lehrern und von Patres. Ich kann nur sagen, dass ich das nicht erlebt und nicht mitbekommen habe was Sie erlebt haben, aber ich sage auch nicht, dass das nicht so war. Ich war nicht dabei, ich kann es nicht sagen. Ich finde es schrecklich und deshalb war ich fassungslos. Ich habe andere Dinge erlebt und wenn ich heute an Marienstatt denke, ist das ein Ort, den ich sehr mag, auch wenn das eine Zeit lang gedauert hat, das war ein Prozess von Jahren. Marienstatt war für mich eine Schule fürs Leben weil mir hier Dinge vermittelt wurden, die für mein Leben wichtig waren, wichtig sind und wahrscheinlich auch in Zukunft wichtig sein werden."

 

Klemens Schlimm:

„Mit der Formulierung Schule fürs Leben wird nicht nur der Vergangenheitsaspekt angesprochen, sondern der Gegenwarts- und der Zukunftsaspekt. Es mag interessant sein zu diskutieren, ob hier individuelle Schuld oder kollektive oder systemische Schuld gegeben ist. Ich denke, das hängt auch vom jeweiligen Standpunkt des Betrachters ab. Wir haben im Rahmen unserer Festwoche eine Veranstaltung, in der sich auch die jetzige Schule widerspiegeln soll. Es ist gut, wenn man Lehren aus der Vergangenheit zieht, wenn wir in diesem Sinne der Aufarbeitung und Aufklärung einen Beitrag leisten können für unsere momentanen Schüler, für unser Kollegium, für unsere Schule, dann ist es besser und es ist gut zu wissen, dass wir in den letzten Jahrzehnten Dinge installiert haben in unserer Schule, die man als Prävention im eigentlichen Sinne bezeichnen kann. Herr Rühmann, unser Schulelternsprecher, hat in diesem Kontext mit der Diskussion über Missbrauch und Misshandlung von einem offenen und geschlossenen System gesprochen. Ich denke, dass ich behaupten kann, dass diese Schule zumindest auf dem Weg zum offenen System ist zum offenen Dialog zwischen den an Schule beteiligten Institutionen, insbesondere Personen, das sind die Schüler, die Eltern und die Lehrer und es sind in den letzten Jahren eine ganze Menge Präventionsmaßnahmen im Sinne dieses offenen Umgangs miteinander installiert worden und ich denke in dieser Hinsicht haben wir schon einiges getan, um so etwas zu verhindern, wie es vielleicht vor vierzig oder fünfzig Jahren hier leider geschehen ist. Dinge, die nicht entschuldbar sind, Dinge, die nicht relativiert werden sollten, aus denen wir lernen sollten und wo wir dankbar wären, darüber auch weiterhin im Gespräch zu bleiben. Wichtig ist für uns aber der Gegenwarts- und Zukunftsaspekt und ich glaube da sind wir meilenweit voneinander weg.“





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24.06.10

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24.06.10

Reden statt Schweigen

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Die MSS 11 + 12 fahren nach Taizé



Die diesjährige Reise nach Taizé findet vom 10. bis 18. August 2019, also am Ende bzw. nach den Sommerferien statt.

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Marienstatt bleibt bunt

Das Schullogo des Gymnasiums Marienstatt zeigt ein graues Quadrat und zwei geschwungene Linien, die über die Grenzen dieses Quadrats hinausgehen. Diese, so Abt Andreas, sollen das Schulmotto symbolisieren: „Über die Grenzen bloßen Wissens hi-naus.“ Gerade in Zeiten von Social Media, Fake News und „Alternativen Fakten“ lohnt es sich, dass wir als Schulgemeinschaft uns der Bedeutung dieses Mottos noch einmal bewusst werden. mehr



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