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Gespräch der MSS 11 des Privaten Gymnasiums Marienstatt mit Schriftsteller und Kriegsdienstverweigerer Marko Martin

Am Freitag, den 3. Juni 2022, kam die MSS 11 des Privaten Gymnasiums Marienstatt mit dem Schriftsteller Marko Martin ins Gespräch. Organisiert von der Friedrich-Naumann-Stiftung diskutierten die Schülerinnen und Schüler mit dem in der DDR aufgewachsenen Kriegsdienstverweigerer über dessen lebhafte Vergangenheit und sein Werk „Die letzten Tage in Hongkong“.

„Wenn man schon in ganz jungen Jahren (…) erfährt, halt den Mund, deine Meinung ist nicht so wichtig, mach alles das, was die anderen tun, folge dem, was der Staat sagt, dann hat man (…) als Jugendlicher oder als Erwachsener keine Energie mehr `nein´ zu sagen, wenn es notwendig ist.“, so Marko Martin im Gespräch mit den Schülern.

Martin, 1970 im damaligen Ostdeutschland geboren, Kriegsdienstverweigerer, Schriftsteller und Reisender, folgte nicht der Propaganda des diktatorischen DDR-Systems und beharrte stattdessen auf seiner eigenen Meinung und Willensfreiheit.

Als er, 18 Jahre alt, mit seiner Familie in der Bundesrepublik Deutschland ankam, hatten sie nichts weiter als ein paar Koffer und Rucksäcke und fanden erstmals in einem überfüllten Lager Platz; Abenteuer und Herausforderung zugleich. Doch das war der Preis für die lang ersehnte Freiheit.

Während seine Mitschüler blaue Halstücher als Junge Pioniere trugen, Organisationen wie der Freien Deutschen Jugend beitraten, lehnte Martin jegliches Mitwirken in etwaigen Organisationen ab - dauerhaft unterstützt von seinen Eltern. Aufgewachsen in einem selbständigen Haushalt, genoss Martin als Kind und Jugendlicher eine Art Schutzraum, stetig verbunden mit dem Zugang zum Westfernsehen, einer besseren Welt, die mit Hoffnungen behaftet war. Sein Vater verweigerte den Kriegsdienst; zwei Jahre Haft, oder auch „Verwahrungsanstalt“ genannt, folgten.

Martins Ablehnung des diktatorischen Systems führte zum Verbot, auf eine weiterführende Schule zu gehen, Abitur zu machen und zu studieren. Die staatliche Berufsberatungskommission stellte seine Familie als politisch instabile Elemente dar und gab Martin nur die Lehrstelle als Elektrotechniker. Doch auch hier traf er aufgrund seines ersichtlich ablehnenden Verhaltens gegenüber dem System der DDR auf Diskriminierung: „Solche Leute wie dich habe ich an der Schule nicht sehr gerne.“ Martin wurde stetig vorgeladen und musste konsequent erklären, warum er zum Beispiel nicht der Freien Demokratischen Jugend beitrat.

Schließlich kam es zum „legalen Rauswurf“, indem er jeglichen Kriegsdienst verweigerte. Jedoch stellt er sich heute eindeutig nicht als Pazifist dar, da Demokratien einen mächtigen Pol gegenüber Diktaturen bilden müssten.

Mit 18 Jahren stellte Marko Martin und seine Familie einen Antrag auf Ausreise aus der DDR - eine Flucht erschien zu riskant. Bei Ablehnung des Antrages hätte er eine Scheinhochzeit mit einer Bürgerin der BRD ins Auge gefasst. Die darauffolgende Vorladung bei der Staatssicherheit schildert er als einen Film, in dem man nicht die Möglichkeit habe, umzuschalten; seiner Mutter wurde unter anderem der Aufenthalt in einer Psychiatrie angedroht. In einer Diktatur sei man kein Bürger, sondern Objekt des Staates. Die Ambivalenz bestehe laut ihm darin, dass gerade diese Vorladung mitten im Alltagsleben geschehe, mitten im Ort, in der Normalität. Nach anderthalb Jahren wurde der Antrag genehmigt; es handelte sich dabei nicht um ein Recht, sondern um die Gnade des Staates.

Mit den Schülerinnen und Schülern diskutiert Martin auch über sein Buch „Letzte Tage in Honkong“. Bei seinem Aufenthalt zwischen 2019 und 2020 erlebte Martin die Anfänge der Corona-Pandemie sowie die letzten Tage der Unabhängigkeit Hongkongs, die von der chinesischen Volksrepublik infrage gestellt wird. Martin war bei der letzten freien Demonstration zugegen und traf dort den Aktivisten Joshua Wong, der seine Forderungen nach Demokratie kundtat; demokratische Werte seien laut ihm universell, nicht nur westlich, alle Länder hätten das Recht, demokratisch zu sein. Nun sitzt Wong seit mehr als 16 Monaten in Haft.

Martin deklariert des Weiteren, dass totale Macht zu totalem Missbrauch führe und deswegen jegliche Aggressionspolitik nur von Diktaturen ausginge. Eine Destabilisierung der Demokratie der Bundesrepublik Deutschland sei besonders durch jeglichen Rechtspopulismus, politischen Islamismus und Rechtsterror zu befürchten. „Es ist ganz wichtig, dass innerhalb der Gesellschaft sofort diskutiert wird, dass gefragt wird, dass sich Politiker rechtfertigen müssen.“

Auf die Frage eines Mitschülers hin, wie Martin die Ereignisse in Hongkong erlebt habe - vor allem hinsichtlich seiner eigenen Lebenserfahrungen in einer Diktatur -, behauptet er: „ (…) die einzige Möglichkeit, die ich als Schriftsteller habe, ist darüber zu schreiben, ich bin kein Wirtschaftskapitän, ich bin kein Militärführer, ich habe nur das, was Schriftsteller haben, nämlich die Möglichkeit zum Schreiben, zum offenen Wort.“

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