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Jakob Saß präsentierte Marienstatter Schülern seine Forschungsergebnisse über den ehemaligen KZ-Kommandanten Adolf Haas

Am 11. November 2019 besuchte der 29-jährige Geschichtsstudent Jakob Saß aus Berlin das Private Gymnasium Marienstatt, um den Oberstufenschülern seine Forschungsergebnisse über den ehemaligen KZ-Kommandanten Adolf Haas, die er im Rahmen seiner Bachlorarbeit zusammengetragen hat, vorzustellen. Jakob Saß studiert die Fächer Literaturwissenschaften, Geschichte und Public History. Durch ein Praktikum bei der Geschichtsredaktion der „Welt“ im Jahr 2013 stieß der junge Berliner auf das genannte Thema, das besonders interessant für die Westerwälder ist, da Adolf Haas lange Zeit in Hachenburg lebte.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 bewarb sich der Hachenburger Bäckermeister Adolf Haas bei der SS, um dort Karriere machen zu können. Trotz seiner mittelmäßigen Schulbildung gelang es ihm binnen weniger Jahre, zum Kommandaten des Konzentrationslagers Bergen-Belsen wie auch zeitweilig von Wewelsburg bei Paderborn aufzusteigen. Durch intensive Archivarbeit fand Jakob Saß heraus, dass insgesamt 3026 Menschen durch Adolf Haas in den Tod geschickt wurden. Die Verbrechen, die in der Reichspogromnacht in Mogendorf verübt wurden, trugen ebenfalls Adolf Haas´ Handschrift. Zudem etablierte er im Auftrag der obersten Führung der Nationalsozialisten die SS im Oberwesterwald.

Bei der Auswertung historischer Dokumente entdeckte Jakob Saß, dass kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in Hachenburg die Sterbeurkunde des ehemaligen KZ-Kommandaten ausgestellt worden war, es sich dabei jedoch um einen Fehler handeln muss, da Adolf Haas im Juni 1945 Beisitzer in einem Gerichtsprozess bei Hamburg war. In diesem machte er sich für das Todesurteil des Angeklagten stark. Ferner berichtete dem Geschichtsstudenten aus Berlin ein Zeitzeuge, der in der Öffentlichkeit nicht namentlich genannt werden möchte, dass ein ehemaliger Hachenburger im Jahr 1953 Adolf Haas auf einer Busfahrt von Wissen nach Hachenburg gesehen, ihn jedoch nicht verraten habe, da sich die beiden aus der SS kannten. Diese Beobachtungen lassen den Schluss zu, dass Adolf Haas sich einem gerechten Strafprozess entzogen hat und mit einer neuen Identität verdeckt weiterlebte.

Da sich am 09. November die Gräueltaten, die in der Reichspogromnacht an den in Deutschland lebenden Juden verübt wurden, jährten, nutzte Jakob Saß die Gelegenheit, mit seinem Vortrag in Marienstatt den Opfern des Nationalsozialismus zu gedenken. Zugleich appellierte er an die jungen Erwachsenen, die Augen und Ohren in unserer Gesellschaft offen zu halten und sich für die Demokratie einzusetzen, damit sich die dunkelste Geschichte der Menschheit nicht wiederholt. Saß gelang es auf beeindruckende Art und Weise, die Jugendlichen mit einem regionalgeschichtlichen Thema auf eine historische Zeitreise mitzunehmen und ihnen die Arbeit und Methoden eines Historikers vorzustellen.

Text: Dominik Brenner, Bilder: Hauke Bietz

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