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Verdun - Erinnerungsort der Höllenschlacht im Jahr 1916

Verdun – bis heute steht der Name dieser französischen Festungsstadt für den entfesselten Wahnsinn. Im Ersten Weltkrieg wurde dort das sinnlose Töten erstmals in bis dahin unbekannte Höhen getrieben.

Die gemeinsame Fahrt einiger Schülerinnen und Schüler aus Marienstatt mit Gleichaltrigen vom Konrad Adenauer Gymnasium in Westerburg am 2. und 3. Mai 2024 nach Verdun war ein beeindruckendes Erlebnis.

Den Auftakt stellte bei Nieselregen und mit kaltem Wind der Besuch des Dörfchens Fleury dar. Ein Dorf, welches de-facto nicht mehr existiert, aber dennoch den Status eines Dorfes behalten hat - mit Postleitzahl, Ortsschild, Bürgermeister, den alten Straßen und einem Gedenkstein vor jedem Haus, welches einmal hier gestanden hat.

Inspiriert durch die authentischen Gedanken und Berichte von Karl Broeger in Fleury aus „Der Feind“ von Erich Maria Remarque, konnten wir die beklemmende Stimmung des Dorfes in uns aufnehmen. Herr Kraemer erläuterte uns kurz die historische Entwicklung und wies auf die Besonderheiten hin. Hier hatten wir Zeit, diesen Ort selbstständig zu erkunden und die verheerenden Auswirkungen der Gewalt, welche in dem Ort sichtbar werden, auf uns wirken zu lassen.

Im Anschluss besuchten wir das Memorial de Verdun - einen außerordentlichen Ort, der die Geschichte eindrucksvoll vermittelt. Diese, auf Wunsch der Veteranen entstandene, Gedenkstätte zeugt vom Einsatz und den Opfern der französischen und deutschen Soldaten, die in Verdun gekämpft haben. In diesem „Erinnerungstempel“ werden Geschehnisse veranschaulicht, die ihre gefallenen Waffenbrüder ehren. Obwohl es sich um eine französische Initiative handelte, richtet sich das Memorial von Anfang an alle: „Jung und Alt, Freunde und versöhnte Feinde“.

Die schriftlichen Andenken der Soldaten, ihre persönlichen Gegenstände, die Fotos der Schlacht, die Ausrüstung und die Dokumente der Armee hinterließen bei uns einen starken Eindruck.

Am späten Nachmittag fuhren wir weiter zum Beinhaus von Douaumont. Wir standen überwältigt vor dem Eingang des Mahnmals und blickten über den Soldatenfriedhof mit seinen 16.142 weißen Kreuzen, den Gräbern französischer Soldaten. Die kalte, kühle Luft konnte nicht besser zu diesem Ort und der Stimmung passen.

Im Beinhaus befinden sich die sterblichen Überreste weiterer 130.000 Soldaten, die unidentifiziert hier ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Wir schauten durch Fenster, die den Blick auf die losen aufgehäuften Gebeine, Schädel, Knochen und Fragmente freigaben.

Man kann nicht erkennen, ob es Franzosen, Deutsche, Afrikaner oder Amerikaner waren und ob sie als Soldaten oder Zivilisten starben. Aber alle waren Menschen. Diesen Augenblick kann man nicht beschreiben.

Mit Johanna, Ferdinand, Flora, Ida und Romy besichtigte ich das Beinhaus auch von innen. Gemeinsam schritten wir durch den 137 Meter langen Gewölbegang. Er erschließt die 22 Kammern mit den Grabmalen, die für die 46 Schlachtfeldbereiche der Schlacht von Verdun stehen. Unter diesen Grabmalen liegen die 130.000 unbekannten Soldaten, die nach dem Waffenstillstand auf den Schauplätzen der Schlachten um Verdun aufgelesen worden waren. 4.000 Inschriften bedecken die Wände und die Decke des Gewölbegangs. Jeder dieser Namen gehört zu einem Mann, der auf den Schlachtfeldern von Verdun verschollen ist. Beim Besteigen des 46 Meter hohen Turms des Beinhauses bot sich ein uneingeschränkter und überwältigender Blick über das Schlachtfeld.

Nach den vielen Eindrücken fuhren wir in die alte Bistums- und Festungsstadt Verdun.Nachdem wir unsere Zimmer im Hotel „Saint Paul“ bezogen hatten, gingen wir gemeinsam zum Abendessen in ein kleines Restaurant. Ganz typisch gab es ein Stück Quiche Lorraine, Käse und Salat.

Herr Kraemer bot nach dem Abendessen eine Stadtführung für Interessierte an. Trotz strömenden Regens zogen wir von der Kathedrale Notre-Dame, über das Stadttor Saint Paul und einem Triumphbogen zum ehemaligen Bischofspalast, der heute das Internationale Zentrum für Frieden ist.

Gestärkt mit einem französischen Frühstück brachen wir am nächsten Morgen zum Fort de Douaumont auf. Während des Fußmarschs vom Beinhaus zum Fort durchliefen wir Schützengräben von 1916. Es war schon ein beklemmendes Gefühl, sich vorzustellen, dass vor etwa 110 Jahren, genau an diesem Ort Menschen um ihr Leben gekämpft haben und für ihr jeweiliges Vaterland gestorben sind.

Das zwischen 1884 und 1886 errichtete Fort Douaumont war ein strategisch wichtiger Ort während der Schlacht von Verdun im Jahr 1916.

Kaum war das Gebäude fertiggestellt, war es aufgrund seiner Mauerwerkskonstruktion auch schon wieder veraltet. Damals waren die neuen Granaten in der Lage, das Mauerwerk zu zerstören. Aus diesem Grund wurde das Fort Douaumont an den exponiertesten und empfindlichsten Stellen mit einer dicken Betonschicht von fast 3 Metern überzogen. Am 21. Februar 1916 griffen die Deutschen Verdun an. Das Fort Douaumont war ein bevorzugtes Ziel: Es wurde in zwei Tagen mit rund 800 Granaten beschossen. Vier Tage nach Beginn der Schlacht war die Stadt in der Hand der deutschen Armee. Acht Monate lang kämpfte die französische Armee jedoch darum, die Festung durch Beschuss zurückzuerobern. Erst im Oktober 1916 gelang es nach sechstägiger Vorbereitung und dem Einsatz eines besonders dichten Artillerie-Einsatzes, die Festung in einem x-ten Angriff zurückzuerobern. Im Museum Fort Douaumont erzählte Herr Kraemer umfassend die Geschichte des Forts und beschrieb den heldenhaften Kampf der Soldaten, die dort kämpften.

Unser letztes Ziel war der deutsche Soldatenfriedhof Azannes II. Er wurde mit Beginn der Schlacht von Verdun im März 1916 von der eigenen Truppe angelegt. Von den 4.750 Gefallenen ruhen 4.594 in Einzelgräbern - 839 von ihnen blieben unbekannt. Beeindruckend war, dass auch Schüler unserer Gruppe in den ausgelegten Büchern mit Namen der Gefallenen ihre (Ur-)Urgroßväter fanden und anhand der Lebensdaten verifizieren konnten.

Am Freitagabend kamen wir gegen 18:00 Uhr wieder in Westerburg an. Diese kurze Reise nach Verdun war sehr interessant, lehrreich und auch emotional. Sie war nur dank der hervorragenden Vorbereitung und Durchführung seitens Herrn Kraemer (Geschichte, Latein und Sozialkunde) aus Westerburg möglich. Besonders hervorzuheben sind natürlich auch Frau Radermacher (Französisch und Mathematik), die uns als Dolmetscherin unterstützte, Herrn Kempf, der als Geschichts-, Mathe- und Physiklehrer die Fahrt bereicherte, und natürlich die Schülerinnen und Schüler, die interessiert an der Fahrt teilnahmen und ihren Horizont an einem der geschichtsträchtigsten Orte in Europa, wenn nicht sogar der Welt, erweiterten.

Wir würden uns freuen, eine solch gelungene Zusammenarbeit zwischen dem Konrad Adenauer Gymnasium und dem Privaten Gymnasium Marienstatt  weiter zu verfolgen!

 

 

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